Innere Künste

Die Inneren Künste, die „Werkzeuge“ der Selbstkultivierung, sind die im Nei Gong genutzten Hilfsmittel um den Weg zu beschreiten.

Dao Yin 导引

Der Name Dao Yin bedeuet „Führen und Leiten“. Historisch werden Dao Yin als Vorgänger zum Qi Gong betrachtet und sind verwurzelt mit schamanischen Traditionen des alten Chinas. Trotz gewisser Gemeinsamkeiten gibt es jedoch genug Unterschiede um als eigenständige Übungen angesehen zu werden.Im Qi Gong wird Qi kultiviert, Dao Yin hingegen hat zum Ziel, durch „Führen und Leiten“, die Energiekanäle im Körper zu „Öffnen“ (dehnen) und diese dann „auszuwringen“ (Intention und Körperspannung) um den Körper von stagniertem und krankhaftem Qi zu befreien. Dies wirkt sich sowohl körperlich als auch geistig auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aus.

Da die Gesundheit und der Qi-Fluss unabdingbar miteinander verwoben sind helfen Dao Yin Übungen den Fluss ungestört am laufen zu halten. Die gesundheitlichen Aspekte waren in spirituellen Traditionen jedoch nie das Ziel an sich, sondern ein „Nebeneffekt“ welcher durch die gesteigerte Effizienz des Körpers hervorgerufen wird. Zum Lehrplan gehört das Long Dao Yin (Drachen Dao Yin) welches sich primär mit der Wirbelsäule und relevanten Energiekanälen befasst, und das Wu Dao Yin welches sich mit weiteren Energiebahnen im Körper beschäftigt. Im Nei Gong werden Dao Yin Übungen auch benutzt um emotiales Trauma zu verarbeiten da dieses auch energetisch und physisch im Körper blockiert ist.

Shen Fa 身法

Shen Fa ist die Körperarbeit. Im Nei Gong bezieht sich dieser Begriff auf zweckdienlich ausgewählte Übungen aus den Bereichen Kraft, Mobilität und Flexibilität. Unser Körper ist ständig im Bestreben, das was wir tun, möglichst effizient auszuführen. Wie ein Bodybuilder oder eine Ballerina, nach Jahren des Trainings, den effizientesten Körper für ihre Arbeit erhalten, so bedarf es auch für das Nei Gong einer bestimmten Entwicklung des Körpers.  Shen Fa dient dieser Vorbereitung. Ziel ist es einen möglichst „offenen“ (flexiblen und agilen) und gleichzeitig starken und entspannten Körper auszubilden. Es gilt das Gleichgewicht zwischen Kraft und der daraus resultierenden Verspannung/Anspannung und Mobilität/Flexibilität sowie Entspannung zu finden. Somit können wir die Alltagsspannung des Körpers mindern und ihm mehr Energie bereitstellen. Entspannung bedeutet im diesem Sinne nicht, keine Spannung, sondern die richtige Spannung an den richtigen Stellen.

Historisch gab es in spirituellen Traditionen und Inneren Künsten oft den Dreischritt zwischen Spiritualität, Kampfkunst und Medizin. Kampfkünste sind eine sehr gute Ergänzung zum Nei Gong und ausgezeichnete körperliche Ertüchtigung. Viele Kampfkünste erzeugen zum Nei Gong Prozess kompatible „Körper“. Zum weiteren Verständnis bezieht sich Flexibilität auf den maximalen Bewegungsradius eines Gelenkes oder Körperteiles. Mobilität ist der Widerstand des eigens Körpers (durch Blockaden oder Verspannung) innerhalb der Flexibilität die bereits vorhanden ist. Shen Fa organisiert den Körper in best möglicher Weise für den Nei Gong Prozess.

Row of golden Buddha statues in soft focus, symbolizing worship and spirituality in a sacred setting.

Qi Gong 氣功

Qi Gong bedeuet die „Meisterschaft über das Qi“, gängiger ist jedoch die Übersetztung als „Energie-Arbeit“. Es ist wichtig den Unterschied zwischen modernen und traditionellen Qi Gong zu verstehen. Modernes Qi Gong wurde von Chinesischen Medizinern entworfen und enthält in der Regel simple Bewegungsabfolgen welche den Körper bei der Vorbeugung und Heilung von Krankheit unterstützen. Diese stellen eine „vereinfachte“ Form des Qi Gong dar, welcher es an den traditionellen Prinzipen fehlt um die Übungen wahrlich „zum Leben zu erwecken“.

Traditionelles Qi Gong hingegen wurde oft nur im Vorborgenen unterrichtet und schult den Umgang mit Qi, idealerweise bis zur Meisterschaft. Traditionelles Qi Gong, so wie der Unterricht, erfordern besondere Bemühungen eines Schülers um dieses Ziel auch zu erreichen. Die Arbeit mit der Energie dient hier nicht mehr der Gesundheit, auch wenn das ein Nebeneffekt bleibt, sondern der Kultivierung von Selbst und Spiritualität.

Die „Vereinfachung“ von Qi Gong fand im Übrigem nicht auf der Ebene der Bewegung statt, moderne und traditionelle Übungen ähneln sich von Außen stark, sondern auf Ebene der Prinzipien. Da der Zugang und „Einbau“ innerer Prinzipien in den Körper sehr komplex ist, herrscht heute viel Verwirrung darüber was Chinesische Künste wirklich sind. Die inneren Prinzipien des Qigong stammen aus Kerntexten und mündlicher Überlieferung. In einer Zeit in der Verfügbarkeit und Kommerzialisierung höher geschätzt werden als echte Fertigkeiten, geht die Essenz der Künste langsam verloren.